Tradition

Mediation wird häufig als eine neumodische, moderne und „alternative“ Form der Konfliktlösung dargestellt, die aus Amerika zu uns herübergeschwappt ist. Dass die Mediation eine interkulturelle Konfliktlösungsmethode mit jahrtausendealter Tradition  und in unterschiedlichsten sozialen Zusammenhängen rund um den Erdball zu finden ist, wird nur selten, wenn überhaupt, erwähnt.

Auch in unserem Kulturkreis hat Mediation eine lange Tradition. Ihre Wurzeln reichen  bis ins antike Griechenland zurück. So wählten in frühgriechischer Zeit die Bürger von Athen Solon zum Stadtoberhaupt und als Versöhner und Vermittler, um den drohenden Bürgerkrieg abzuwenden

In Europa sind mediative Elemente bei der Lösung von Konflikten bereits seit dem Mittelalter zu finden. Im 14. Jahrhundert war „Mediatio“ der in Europa verbreitete lateinische Ausdruck für die friedvolle Streitbeilegung.

Im 15. Jahrhundert bewahrte Niklaus von Flüe durch seine Vermittlungsmethoden die Schweizer Eidgenossen vor dem Auseinanderbrechen in die einzelnen Kantone. Der Eremit wird noch heute als Friedensstifter und „Mediator“ geehrt.

Ein weiteres Beispiel aus der europäischen Geschichte ist der Westfälische Frieden, der 1648 mit Hilfe des mediationskundigen venezianischen Botschafters Alvise Contarini den 30-jährigen Krieg beendet hat.

Aus der jüngsten Geschichte sind die Friedensverhandlungen im Camp David beispielhaft, bei denen der amerikanische Präsident Jimmy Carter die Grundsätze der Mediation zur Konfliktlösung zwischen Ägypten und Israel angewandt hat. Die getroffenen Vereinbarungen haben bis heute Bestand.